Kongsberger Silberbergbau

Odd Arne Helleberg 

                                                                   KONGSBERG SILBERBERGWERK 1623  bis 1958
Übersetzt von Karsten Johannse


 Kurze Geschichte zum Kongsberger  Silberbergwerk 

 

Vorwort 

Bis ca. 1870 entsprach der Wert der Jahresarbeidszeit eines Arbeiters ungefähr 1 kg Silber. Als das Kongsberg Silberwerk 1958 geschlossen wurde, entsprachen diesem Wert ca. 60 kg Silber, und war bis zum Jahre 2000 auf 325 kg gestiegen. In diesem Zeitraum wurde der Lebensstandard mindestens verzehnfacht, für bestimmte Gruppen noch wesendlich mehr. 
Mit einem Wertverhältnis zwischen Arbeidskraft und Silber, allein abhängig vom erhöhten Lebensstandard, müssten wir also mit dem Wert einer Jahresarbeidszeit von 12 bis 15 kg Silber rechnen, der Rest resultiert aus dem technologischen Fortschritt, u.a. in Form besserer Energieausnutzung. Der höhere Lebensstandard erklährt also nur ca. 5% des im Verhältnis zur Arbeidskraft gesunkenen Silberpreises. Die Geschichte des Kongsberger Silberwekes zeigt damit, was das Umsetzen neuen Wissens in Produktivitet, und die Folgen davon betrifft, einen Teil der Menschheitsgeschichte. 

                                           Geologie 
Das Grundgestein in der Kongsberger Gegend entstand vor ca. 1 600 millionen Jahren und besteht aus z.T. schiefrigen Bandstrukturen in nord-südlicher Richtung, welche in bestimmten Zonen Schwefelkies und Kupferkies führen. Diese wurden in Kongsberg “Fahlbänder” genannt, wahrscheinlich auf Grund der gelblichen Farbe des Schwefelkieses. 
Während der Permzeit, vor ca. 250 mill. Jahren fürte vulkanische Aktivität im Gebiet um Oslo zum Aufbrechen des Grundgesteins in öst-westlicher Richtung. In den sich bildenden Spalten zirkulierten wässrige, auch Silberionen enthaltende Salzlösungen. Im Kontakt mit Kiesbändern reagierten die Silberionen mit dessen Mineralien und es kam zum Ausfällen von metallischem Silber, neben Kalkspat, Kvartz und z.T. Flusspat. Hieraus folgt, dass Silber dort vorkommen kann, aber nicht unbedingt muss, wo die weissen Kalkspat-Kvartzgänge die bräunlichen Kiesbänder kreuzen. Derartige metallische Silbervorkommen sind auch von anderen Ertzlagerstätten bekannt, wo sie jedoch, im Gegensats zu Kongsberg, selten sind. Hier ist reines metallisches Silber Hauptmineral. 


                                         Vorgeschichte 
Bergbau auf Grundlage von Kupferkies ist hier ab 1490 bekannt, am Kobberbergsfluss westlich von Kongsberg. Als ab 1537 im Nachbarbezirk Telemark der Abbau intensiviert wurde, wurden auch am Kobberbergfluss mehrere neue Vorkommen erschlossen, die sich aber bald als nicht abbauwürdig erwiesen. Diese Versuche wurden im Laufe der 1540er Jahre eingestellt. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden diese Gruben erneut untersucht, ohne Hoffnung auf Ausbeute. Gerade als der damalige dänisch-norwegische König Kristian IV die Mineralsuche in Norwegen aufgeben wollte, kam 1623 die Nachricht um interessante Silberfunde in Sandsvær: 
Zwei Bauern, Kristoffer Arnesson Loftstuen (oder Grosvold) und Arne Wærp waren im Sommer 1623 mit ihren Familien auf ihren Setern. Eines Abends kam Kristoffers Sohn Jakob und Arnes Stieftochter Helga mit ein paar in der Gegend gefundenen Steinen nach Hause, welche von Kristoffer als silberhaltig erkannt wurden. Nachdem sie das Silber eingeschmolzen hatten und versuchten, 
es in Drammen und Skien umzusetzen, wurde Arne auf Grund des Verdachtes von Silberdiebstahl verhaftet und musste den Fund verraten. 


                                 Anfänge des Silberbergbaus

 Zur Zeit des Silberfundes fand in Europa eine durch die damaligen Kriege und einem davon abhängigen Wirtschaftswachstum stark beeinflusste Enwicklung der Staatsmächte statt. Da zu jener Zeit nur Edelmetalle als Zahlungsmittel akzeptiert waren, war Eigenproduktion solcher von ausschlaggebender Wichtigkeit zur Finanzierung der staatlichen Aktivitäten. Auf Grund dessen hatte der Staat im gesammten 17. und 18. Jahrhundert ein ausserordentliches Interesse am Kongsberger Silberwerk. 
Der Bergbaubetrieb begann schon im Spätherbst 1623, dort wo die Kinder das Silber gefunden hatten, die Grube wurde “Königsgrube” genannt. Als Kristian IV. diese im Jahr danach besuchte, befahl er den Bau der Stadt Kongsberg, auf einem trockenen Plateau, an einem Wasserfall zur Lieferung der Kraft zum Betreiben der notwendigen Anlagen des Bergwerkes: ein Pochwerk zum Trennen von Stein und Silber, und die Schmelzhütte. In der Nähe, bei zwei weiteren Wasserfällen, gab es schon zwei Sägewerke, ein unschätzbarer Vorteil zum Aufbau von Stadt und Bergwerk. Ausserdem war der Fluss gross genug zum Flössen des gesammten Holzbedarfs. 
Da es zu der Zeit kaum Bergbaufachleute in Norwegen gab, wurden sowohl Arbeiter als auch Funktionäre aus 
Deutschland angeworben. Schon in den ersten Jahren wurden eine Reihe neuer Vorkommen entdeckt, nach und nach zeichnete sich die Struktur des Grubenfeltes ab: es zeigte sich, dass die Vorkommen wie Perlen an der Schnur entlang zweier Kiesbänder in den Bergen west von Kongsberg lagen. Benannt wurden diese beiden Felder nach der Lage: “Oberberg” oben in den Bergen und “Unterberg” weiter unten zum Tal hin. 


                                       Bergwerksbetrieb 
Zu Anfang wurde das Ertz losgebrannt, auch Feuersetzen genannt: das Holz wurde an der Felswand aufgestapelt, nachdem es niedergebrannt war, war das Gestein in einer Tiefe von 5 bis 10 cm so spröde und aufgesprungen, dass man es mit Hammer, Schlägel, Brecheisen und Hacke herausbrechen konnte. Ab ca. 1680 wurde nach und nach auch mit Schwarzpulver gesprengt, was aber ziemlich teuer und nicht immer so effektiv war. Meist wurde es zum Absenken benutzt, während für die horizontalen Vortriebe Feuersetzen angewandt wurde. Ertz und Abraum wurde zu Anfang mit der Handhaspel gefördert, später, bei grösseren Tiefen, abgelösst durch Pferde-Göpel. Das Wasser wurde entsprechend mit kleinen Handpumpen, und in tieferen Gruben mit Hilfe der Kraft von 

Segen Gottes-Grube ca 1700, mit E: Wassergraben, F: Pferdegöpel, G: Schutzhaus über der Grubenöffnung (“Ka”), H: Schacht der Grube mit Ertzförderung und Pumpen. 
Wasserrädern gefördert. In der Nähe der Gruben wurden zur Versorgung der Wasserräder künnstliche Seen angestaut, diese waren aber oft klein und mit geringem Wasserzulauf, was oft zu Betriebsabbrüchen führte. 
Die Pferdegöpel wurden von den Bauern der weiteren Umgebung betrieben, diese waren auch für den Transport von Feuerholz, Ertz, Bauholz und anderen Gütern verantwortlich. Ursprünglich wurden sie für ein festes Entgelt verpflichtet, später ging man zu einer Art Versteigerung über, wobei die Bauern für die verschiedenen Aufgaben Angebote einlegen konnten. Das Bergwerk hatte ausserdem Vorkaufsrecht auf Bau- und Feuerholz aus den Wäldern der näheren Umgebung. 
Nach dem Fördern der Massen aus den Gruben wurden diese sortiert, in silberhaltiges Gestein und sogenannten Graustein, welcher als Abraum in unmittelbarer Nähe der Gruben deponiert wurde. Diese so entstandenen riesigen Berghalden sind gut bewahrt und zeigen deutlich den gewaltigen Umfang des Bergbaues. Das silberhaltige Gestein wurde dann in Pochwerken zerkleinert, und das Silber herausgewaschen und zur Schmelhütte gebracht. Dort wurde es erst zusammen mit Schwefelkies geschmolzen, um den Rest Graustein zu entfernen, dann mit Blei, um es von Kupfer und anderen Verunreinigungen zu befreien, in der dritten Schmelze wurde dann das Blei entfernt, bevor das Silber dann nach dem vierten Schmelzprozess rein genug zur Münzherstellung war. Die Münzen dienten dann dem Bergwerk zur Bezahlung von Arbeitskraft und Materialkäufen. 
Die Versorgung einer Innlandsstadt wie Kongsberg mit Nahrungsmitteln, Bekleidung und anderen Notwendigkeiten war bei den damaligen schlechten Verkehrsmöglichkeiten nicht gerade leicht. Bei schlechten Silberanbrüchen kam das Bergwerk dazu noch oft in Verzug mit Auszahlung der Löhne, was wiederum zur Verschuldung der Arbeiter führte. Aus diesem Grunde rodeten sich die meissten ein Stückchen Land, für Gemüse, eine Kuh, und vielleicht etwas Korn, um sich zum Teil selbst versorgen zu können. Diese sogenannten “Lökken” spielten eine ziemlich grosse Rolle für die Nahrungsmittelversorgung der Stadt, praktisch bis nach dem 2. Weltkrieg. 
Die tägliche Arbeitszeit betrug ca. 12 Stunden, der Samstag war normalerweise frei. Da man jeden Tag von der Stadt zur Arbeit in den Gruben und zurück ging, war die effektive Arbeitszeit bei den zum Teil beschwerlichen Wegen oft nur vierfünf Stunden, abhängig von der Entfernung zur Stadt. Auf Grund der hohen technischen Ansprüche des Bergwerksbetriebes wurden die Arbeiter schonender behandelt als in anderen vergleichbaren Betrieben, weshalb in Kongsberg unter anderem Krankengeld, verschiedene Rentenordnungen, freie Medizin und freie Arztversorgung eingeführt wurde. Weiterhin wurde auf ein gut ausgebautes Schulwesen gesetzt, einschliesslich Stipendien für Auslandsreisen. Auf Grund aller dieser Vorteile gab es nie Mangel an Arbeitskräften in Kongsberg. 


                                   Eigentumsverhältnisse 
Das Kongsberger Silberwerk wurde als Staatsbetrieb gegründet. Auf Grund der schwierigen Finanzlage Dänemark-Norwegens durch den 30jährigen Krieg wurde es jedoch 1628 einer Privatgesellschaft übereignet, mit dem Staat als Teilhaber. 1660 löste der Staat die anderen Teilhaber aus, übergab das Werk aber schon 1673 wieder einem privaten Eigner, der es 1683 auf Grund schlechter Ergebnisse wieder an den Staat zurückgeben musste. Von da an war es immer nur rein staatlich. 
Das Silberwerk im 17. und 18. jarhundert Es war nicht leicht, einen so grossen und komplexen Betrieb in einer so schwierig zugänglichen Gegend einzurichten, aber ca. 1640 waren die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden. Gleichzeitig übernahm der sehr fähige Daniel Barth die Leitung. Bis zu seinem Tode 1656 führte er das Werk mit fester Hand, es gelang ihm, eine neue Schmelztechnologie einzuführen, während er gleichzeitig mit der Nutzung der Wasserkraft begann. Nach seinem Tode wurde die Weiterführung seiner Pläne durch die wechselnden Eigentumsverhältnisse, schlecht-

Segen Gottes-Grube ca. 1700, mit B: Wassergraben, C: Radstube mit Kunst-Rad und Kraftüberführung durch ein Stangfelt zur Grubenöffnung, J-K: Die Grube. 
te Silberanbrüche und Meinungsverschiedenheiten in der Werksleitung sehr gehemmt. 1685 wurde Heinrich Schlanbusch zur Leitung des Werkes berufen. Er veranlasste eine weitgehende und umfassende Mechanisierung, besonders des Lensens der Gruben. Die vielen  kleinen Wasserversorgungssysteme wurden zu einem grossen System integriert, so dass einerseits wesentlich mehr Wasser zur Verfügung stand und andrerseits die gleiche Wassermenge vielfach durch entsprechend viele Wasserräder nacheinander ausgenutzt werden konnte. Ebenso überführte er die Münzproduktion von Kristiania (heute Oslo) nach Kongsberg, was sowohl Transport ersparte als auch bessere Kontrolle ermöglichte. Auch die Idee der Anlage eines Grundstollens zur Drenierung und besseren Belüftung der tiefsten Gruben geht auf ihn zurück, da er sehr früh die immer grösserwerdenden Schwierigkeiten des Lensens der Gruben erkannte. Auf Grund des erhöhten Holzbedarfs forderte er ein erweitertes Vorkaufsrecht für da gesammte Numedal und angrenzende Destrikte, was jedoch erst Anfang das 18. Jahrhunderts nach seinem Tode realisiert wurde. 
Unter seinen Nachfolgern wurde diese Richtung weiterverfolgt, mit Schwerpunkt auf Nutzung der Wasserkraft, speziell der Anlage grösserer Staudämme als Grundlage für weitere Mechanisierung, und Verbesserung der Sprengtechnik mit Schwarzpulver. Ausserdem fand man i den 1720er Jahren Silbervorkommen auch ausserhalb der alten Grubenfelder Oberberg und Unterberg, besonders im nördlich gelegenen Flesberg. Eine kürzere Periode geringer Silberanbrüche, und demzufolge Probleme für das Bergwerk, begann ca. 1725. 
Anfang der 30er Jahre, mit neuen Leuten in der Leitung des Werkes und besserer Silberausbeute, ging es jedoch wieder bergauf. Da viele Gruben zu weit abgesenkt waren, um mit Pferdegöpeln zum Fördern der Steinmassen betrieben werden zu können, wurden mehr und mehr die neuen Kehr-Wasserräder eingesetzt. In den 40er Jahren wurde dann das Wasserversorgungssystem erneuert, so dass noch mehr Maschinen nacheinander mit dem selben Wasser betrieben werden konnten. Der Mann, der dieses und viele andere Erneuerungen in Stadt und Bergwerk zustande bekam, war Joakim Andreas Stukenbrock, Leiter des Werkes von 1737 bis 1756. Sein Verdienst war die Zeitspanne einer ganzen Generation mit gleichmässiger Produktion, Wachstum, und nicht zuletzt sicheren Lohnzahlungen für die Arbeiter. 
Sein Nachfolger Michael Heltzen setzte mehr auf das Ausnutzen magerer Ertze der bekannten Gruben, schwerpunktmässig auf die vielen neueren Vorkommen nördlich und südlich von Kongsberg, mit Hilfe einer Reihe neuer Pochwerke. Leider zeigte es sich, sehr nachteilig für das Silberwerk als auch für den Nachruf Heltzens, dass diese Strategie falsch war. In den 1750er Jahren deutete jedoch einiges im Zusammenhang mit der Silberführung vieler Gruben darauf hin, dass dieses durchaus vernünftig sein könnte, ausserdem war der Dänisch-Norwegische Staat wahrscheinlich nicht an sehr langsichtigen und folgenschweren Planungen als Resultat einer anderen Strategie interessiert. In Europa herrschte auf Grund der vielen Kriege jener Zeit eine Finanzkrise, in diesem Zusammenhang wurde das Kongsberger Silber zur Stützung der Staatsfinanzen auf den internationalen Finanzmärkten benutzt. 
Die 1750er und 60er Jahre waren fürs Kongsberger Silberwerk die Zeit der Gegensätze. Auf der einen Seite setzte man stark auf höhere Ausbildung, u.a. 1756 mit der Grundlegung des Bergseminares, einer der ersten technischen Hochschulen Europas. Zur gleichen Zeit wurde die neue Kirche mit einem prächtigen und teuren Rokokkointeriör ausgeschmückt. Diese neue Stilrichtung breitete sich schnell unter dem Begriff “Rosenmalerei” über die Dörfer aus, mit erstaunlich hoher Qualität. Andererseits fehlte es an Geld für den Lohn der Arbeiter, mit folgender Hungersnot, was zur Gründung der ersten “modernen” Arbeiterbewegung in Norwegen führte. Zentral hierbei war Lars Storhoff, er brachte es fertig, seine Arbeitskameraten zu einem langen intensiven Protest gegen die Regierung zu sammeln. Die Misstände wurden erörtert, und die Versorgungssituation gebessert, aber Storhoff kostete es die Freiheit: als Soldat nach Westindien verbannt kam er wahrscheinlich auf der Überfahrt um. Der Staat fühlte sich zwar verantwortlich gegenüber seinen Untertanen und hörte auf ihre Klagen, aber dass man sich organisierte und die Dinge in eigene Hände nahm, das ging zu weit. 
Nach 1770 begannen grössere Rationalisierungen, Abbau der Belegschaft und Einführung besserer Technologie. Die Nachfolger Heltzens, mit Jörgen Hjort und später Morten Trane Brünnich an der Spitze, setzten auf die alten tiefen Gruben des Oberberges. Diese müssten jedoch so tief wie möglich eine Stollverbindung zum Entwässern bekommen, als auch Zugang zu grösseren Wassermengen zum Betrieb der Grubenmaschinen.

Daher Wurde in den 70er Jahren das Wasserkraftsystem weiter ausgebaut und mit dem “Kristian VII. Stollen” genannten Stollen begonnen, welcher von Süden nach Norden durch den gesammten Oberberg gehen und die Gruben in ca. 300m Tiefe treffen sollte. Auf Grund grösserer Schwierigkeiten mit diesem, begann man mit einem anderen Stollen, “Fredriksstollen”, ca. 100m höher. Jetzt zeigten sich jedoch die finanziellen Schwierigkeiten des Werkes in ihrer ganzen Breite, und nach einigen vergeblichen Versuchen, die Betriebskosten zu reduzieren, wurde das gesammte Kongsberger Silberwerk 1805 überstürtzt geschlossen. Nicht genug damit brennt 1810 ein Grossteil der Stadt nieder, womit die weitere Existens Kongsbergs am seidenen Faden hing. 
Notmassnahmen nach 1805 
Eine Grube, “Juliane Marie Grube” in Flesberg, wurde auch nach 1805 auf Grund guter Aussichten weiterhin unter staatlicher Regie betrieben, leider vergeblich. Ausserdem fand ein ziemlich eingeschränkter privater Betrieb in einigen wenigen anderen Gruben statt. Um allen Arbeitslosen nach der Niederlegung des Bergwerkes ein Auskommen zu geben, wurden eine Kleiderwarenfabrik, ein Eisenwerk, und nach 1814 eine Waffenfabrik gegründet. Leiter für die meisten dieser Massnahmen war Paul Steenstrup, der sich hiermit sehr verdient machte. Später war er Kongsbergs Gesandter zur Verfassungsgebenden Versammlung in Eidsvoll. 


                        Neuer Bergweksbetrieb nach 1816 
Schon 1816 begann der seit 1814 selbständige, aber unter der schwedischen Krone stehende Norwegische Staat aufs Neue mit dem Grubenbetrieb in Kongsberg, auf Grundlage von Berechnungen, die einen nüchternen Betrieb insbesondere der Königsgrube als lohnend erwiesen, aber ebenso wegen des Silberbedarfes zur Prägung der Münzen des neuen Staates. 
Zuerst wurde die Fertigstellung des Fredrikstollens in Angriff genommen, es fehlten nur noch knappe 200m, man stiess jedoch auf unvorhergesehene Schwierigkeiten in Form von Wasser und schlechter Belüftung. Ende der 1820er Jahre stand das Werk wieder in der Gefahr geschlossen oder verkauft zu werden, doch 1830 fand man sehr reiche Vorkommen in der Königsgrube, praktisch so reich, dass schon nach zwei Jahren neben einem schönen Überschuss alle Kosten der Wiederaufnahme beglichen waren. Das Bergwerk und die Stadt waren für eine absehbare Zukunft gesichert. 
Die reichen Anbrüche der Königsgrube waren Grundlage für einen 30jährigen stabilen Betrieb und z.T. reichen Überschuss. Der Gewinn deckte in einzelnen Jahren bis zu 10% des norwegischen Staatshaushaltes, also ungefähr entsprechend den Erdöleinnahmen heute. Was vielleicht mehr über die Ausgaben des Staates als den Ertrag der Bergwerkes aussagt, aber auch damals war es Grund genug für eine lebhafte Debatte um Grundlage und Ziel des Betriebes, genauso wie mit unserer heutigen Erdölpolitik. 
In den 1840er Jahren spitzte sich der Streit zu zwischen jenen, die die alten Wasserräder mit modernen Maschinen erstatten und die Stollen als Transportwege für den Ertz- und Abraumtransport und nicht nur zum Ableiten des Grubenwassers ausnutzen wollten, und den anderen, die an der alten und bewährten Technologie festhielten. In dieser rein fachlichen Diskussion spielten aber auch persönliche Gegensätze zwischen den modernisierungsfreundlichen Paul Steenstrup und Sjur Sexe und dem mehr vorsichtigen Carl Friedrich Böbert, alle in der Leitung des Bergwerkes, eine Rolle. 
Während der Streit um die weitere Entwicklung des Silberwerkes seinen Lauf nahm, wurde für die neue Kongsberger Waffenfabrik langsam eine solide Grundlage geschaffen. Ca. 1850 zählte die Belegschaft schon 150 Mann, und hielt sich auf diesem Niveau bis Ende des Jahrhunderts. Andere bedeutende Firmen gab es in Kongsberg nicht, die Stadt lebte nur von diesen beiden Staatsbetrieben und dem Handel und anderen Aktivitäten, die diese mit sich führten. Gleichzeitig erlebte auch Norwegens erste landesumfassende Arbeiterbewegung einen kurzen und heftigen Frühling. Gegründet unter der Bezeichnung “Trane-Bewegung”, nach ihrem Leiter Marcus Trane, verschwand sie jedoch wieder einige Jahre später, nachdem die führenden Personen arrestiert waren. In Kongsberg hatte sie ihre zweitgrösste, und sehr aktive Abteilung. 
Langsam wurde der Betrieb des Silberwerkes auf mehrere der alten Gruben erweitert: 1836 wurde “Gottes Hülfe in der Noth” wieder in Betrieb genommen,

1866 war “Haus Sachsen Grube” an der Reihe. In den 1880er Jahren wurde noch mehr Gewicht auf Erweiterungen gelegt, da der Silberpreis fiel und die Ausbeute in den wiederaufgenommenen Gruben abnahm. Der Fall des Silberpreises hatte seinen Grund einerseits in der Einführung neuer Technologie, zum anderen gingen viele Länder vom Silber- zum Gold-Münzfuss über. 
Alles dieses erforderte mehr effektive und bessere Maschinen und Geräte: Turbinen und Wassersäulenmaschinen 1860, Dynamitt ca. 1870, als die Stadt auch Eisenbahnverbindung mit Drammen und Oslo bekam. In den 1880er Jahren kam elektrisches Licht und Dampfmaschinen, ca. 1900 ein neues Pochwerk. Gleichzeitig wurden sowohl der Unterberg- als auch der Kristianstollen als Transportadern ausgebaut, was dazu führte, dass das Veredeln und Schmelzen nach und nach um die Grubenanlagen in Saggrenda konzentriert werden konnte. Im Laufe der ersten Jahre des neuen Jahrhunderts wurden auch Hochdruckkraftwerke installiert, sodass alles mit elektrischer Energie betrieben werden konnte. Silber konnte jetzt auch aus bisher zu mageren Ertzen mit Hilfe von Cyanid (Blausäure) ekstrahiert werden. Trotzdem half alles dieses nur beschränkt, von 1920 an ging das Werk mit jährlichem Defizit, die allgemein ökonomisch schwierigen Jahre nach dem 1. Weltkrieg machten alles nur noch schlimmer. Mit kurzer Unterbrechung Ende der 20er Jahre setzten sich die schwierigen Zeiten bis zum Aubruch des 2. Weltkrieges fort. Trotzdem setzte man auf Untersuchungen der alten Grubenfelte, jedoch ohne grösseren Erfolg. 
Die Arbeiter hatten während dieser ganzen Periode einen 10-Stundentag, die meisten waren Wochenpendler zwischen der Wohnung in Kongsberg und den Arbeiterbaracken (“Sakkerhusene”) in der Nähe der Gruben. Sie hatten festen Lohn, gesicherte Arbeitsverhältnisse, Renten und freie Artztversorgung, weshalb die Arbeit beim Werk immer sehr begehrt war. Während das Kongsberger Silberwerk Zeichen der Stagnation zeigte, verbesserte sich die Situation für die Waffenfabrik. Ab 1889 wurde das bekannte Krag-Jörgensen-Gewehr gefertigt, die Zeit bis 1918 war durch Aufrüstung geprägt, was sich in grösserer Belegschaft, besserer Ausbildung und besseren Maschinen niederschlug. In den ökonomischen Krisenjahren nach dem 1. Weltkrieg wurden zivile Produkte hergestellt, besonders Walkanonen zeigten sich erfolgreich. 


              Kongsberg von der bergwerks- zur Industristadt 
Kongsberg hatte es während des 2. Weltkrieges verhältnismässig leicht. Die Waffenfabrik war für die deutsche Besatzungsmacht kriegswichtig, das Silberwerk hatte weniger Bedeutung. In der Nachkriegszeit wurde die Waffenfabrik bewusst zum Wiederaufbau des Landes eingesetzt, wodurch wertvolle Erfahrung gesammelt werden konnte. Ende der 1950er Jahre setzte sie stark auf neue sowohl zivile als auch militärische Produkte, und war eine Zeitlang das “Industrielle Flaggschiff” Norwegens. Eine ökonomische Krise führte 1987 zur Aufteilung und teil-weisem Verkauf, als Folge dessen zeigt sich Kongsberg heute als eine ausgesprochen vielseitige Industristadt. 
Mit dem Silberwerk ging es schlechter. Unmittelbar nach dem Krieg wurde es klar, dass Silber woanders wesentlich billiger zu haben war, und trotz Modernisierungen, Rationalisierungen, umfassender Untersuchungen aller Vorkommen und Versuche zur Ausnutzung anderer Mineralien, wurde das Werk nach der letzten Silberschmelzung 1958 geschlossen, nach 335 Jahren zusammenhängendem Bergwerksbetrieb in Kongsberg. 

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