Mit allen Sinnen reisen

Meinen Blog "Mit allen Sinnen reisen" beziehe ich auf keine Spezies und auf kein Territorium, denn einzelne Erlebnisse, die meine Sinnesorgane wahr nahmen, hervor zu heben, wäre eine Diskriminierung aller derer, die nicht genannt wurden. Ich habe all diese Reisen auf meiner organischen Festplatte gespeichert, auch wenn z.T. nur spärliche Fotodokumente vorliegen. Zum Teil sind gar keine Bilddokumente mehr vorhanden, was dem Zahn der Zeit im allgemeinen und der verrückten Zeit der Wiedervereinigung im besonderen geschuldet ist.

 

Bekanntlich hat der Mensch ja fünf Sinne! Diese sind, hier nur noch einmal in Erinnerung gerufen:

 

  • …das Sehen, die visuelle Wahrnehmung mit den Augen
  • …das Hören, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren
  • …das Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase
  • …das Schmecken, die gustatorische Wahrnehmung mit der Zunge
  • …das Tasten, die taktile Wahrnehmung mit der Haut
Gemälde von Hans Makart um 1879-Die fünf Sinne-tasten, hören, sehen, riechen u. schmecken
Gemälde von Hans Makart um 1879-Die fünf Sinne-tasten, hören, sehen, riechen u. schmecken

 

In meinem Sinnesorganorchester hat der Solist der Ohren seine Qualifikation noch nicht wieder erreicht, da er für seine altersgerechte Nachprüfung stets eine Entschuldigung fand. Mit anderen Worten, mein Sinnesorchester spielt nur noch mit vier Solisten und einer altersbedingten Aushilfskraft. Der Fernsinn des Hörens hatte mit einem Hörsturz 1998 seine Leistungsfähigkeit eingebüßt.

 

Von Kindesbeinen an war ich Wanderer (nach dem Krieg ging ohnehin das Meiste nur per pedes ab zu wickeln) und seit 1960 dann Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz. Uns blieb im Arbeiter- und Bauernstaat nur das eingeschränkte Reisen in östlicher und südöstlicher Himmelsrichtung übrig. Bevorzugte, da relativ problemlos bereisbar, Reiseländer waren Polen, CSSR, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Eine organisierte Reise in die Sowjetunion, die Mongolei oder gar Jugoslawien und Albanien bedurfte schon einiger weitreichender Beziehungen zum DTSB (Deutscher Turn- und Sportbund) etc.!

Doch schon damals reisten wir jungen Wander- und Bergsteigerburschen mit allen fünf Sinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ohne diese, oder nur mit einigen Sinnen richtig und erlebnisreich funktionieren soll. Das begann schon mit der Reiseplanung, die heute ebenso unablässig ist, wie sie es vor über 50 Jahren (1962 Rumänien) bei mir war!

Der erste Sinn, der bei einer (geplanten) Reise zum Einsatz kommt, ist meines Erachtens das Sehen, also das Auge. Damals gab es primitive Kopien in s/w, Rundschreiben von Sportvereinen oder nur mündliche Hinweise. Heute wird der Mensch mit einer Flut von Flyern, Prospekten und Internet- Portalen konfrontiert und der geneigte Traveler liest und sieht sich sein mögliches Reiseziel an.

1996 machte mich mein späterer Reisefreund mit der Ansichtskarte li. auf Australien aufmerk- sam, Monate später waren wir dort!
1996 machte mich mein späterer Reisefreund mit der Ansichtskarte li. auf Australien aufmerk- sam, Monate später waren wir dort!

 

Unmittelbar danach setzt sich der zweite Sinn in Szene. Man Informiert sich meist per Telefon über die Reiseobliegenheiten und hört mit dem Ohr aufmerksam seinem "Gegenüber" am anderen Ende der Leitung zu. Das ist begründet, denn hier erfährt man oft das, was man nicht zu lesen bekommt. Gleiches Procedere spielt sich übrigens im Reisebüro oder anderswo ab, wo Reisen, wo Flüge, wo Mietautos, wo Unterkünfte und anderes mehr für eine Urlaubs- oder Erlebnisreise angeboten werden. Diese beiden Fernsinne sind fortan im Einsatz. Nicht von ungefähr meinten unsere Eltern einst, haltet Augen und Ohren offen!

Die drei Nahsinne hingegen haben noch Sendepause, außer man riecht den Angstschweiß beim Betrachten der Gesamtsumme des Angebotes, was ja wohl auch vorkommen soll!

Der dritte Sinn, der Tastsinn kommt wohl erstmals so richtig beim Koffer packen, bzw. beim Zusammenstellen seiner Reiseutensilien zum Einsatz. Wo verstaue ich was in meinem eingeschränkten Reisegepäck. Da fühlt und wühlt man schon in den untersten Regionen des Koffers, des Rucksacks oder der Reisetasche, wo finde ich noch ein Eckchen, wo dies oder jenes verstaut werden kann. Hier spielen Auge und Tastsinn im harmonischen Duett!

 

Hat das vorher Beschriebene stattgefunden, beginnt eigentlich der Count- down zum Ereignis Urlaub. Erstmals zu diesem Zeitpunkt bekommen der vierte und fünfte Sinn, die Nase und die Zunge etwas zu tun. Man sitzt im Airport, im Zug, im Bus oder anderswo und der Hunger meldet sich! Also ist die reisebedingte Nahrungsaufnahme, die sich ja von der heimischen Art oft gänzlich unterscheidet, angesagt. Das Essen aus der Faust, der Tüte, dem Pappgeschirr mit plastischen Essutensilien, die überhaupt nicht ins heimische Ambiente passen, artet allzu oft in Stress für Zunge, Nase und natürlich auch dem Auge aus. Ehrlich, was da alles so verdrückt wird geht kaum auf die oft strapazierte Kuhhaut. Auch mir geht das so, zu Hause käme das Zeug nie auf den Tisch, doch auf der Reise, entweder vor Hunger oder als Zeitüberbrücker, da macht man schon diese "eine" Ausnahme!

Im Flieger, im Reisezug oder im Kfz setzt sich das gewöhnungsbedürfte Essen auf der Reise bis zum Reiseziel fort. Vom Gerangel am Check in, den Kampf um Sitzplätze und das Aufgeben des Gepäcks, wo mindest die Seh-, Hör- und Tastsinne gefragt sind, schreibe ich garnicht erst etwas, ist ein Kapitel für sich!

Ich, für meinen Teil, bin wenig bis überhaupt nicht für diese "Esskultur" zu begeistern, obwohl ich da in letzter Zeit einige Airlines erlebte, die Augen, Nase und Zunge vor den drohenden Blackout bewahrten. Sei es drum, diese Hürden muss ein jeder überspringen, der sich dem Reisevergnügen stellt. Wohl wissend, dass er für all das in dem Urlaubsland, so zumindest sollte es der gängige Fall sein, entschädigt wird.

 

Kein Mensch geht heut zu Tage noch auf Reisen, ohne sich vorher über "Land und Leute", egal welchen Mittels er sich bedient, schlau gemacht zu haben. Prinzipiell weiß man, was einen erwartet, wenn eine organisierte Reise gebucht wird. Der Kick bei einer individuell gestalteten Reise liegt stets an den örtlich vorgefundenen Gegebenheiten, den spontanen Begegnungen mit fremden Menschen, an klimatischen Umständen und der großen Unbekannten, was erwartet mich hinter der nächsten Kurve, im nächsten Ort oder in nächsten Restaurant. Stets sind alle fünf Sinne mit von der Partie, die ihre Empfindungen auf den körpereigenen Provider ablegen und dann auf der Harddisk "Gehirn" speichern!

 

Das wohl Angenehmste und Faszinierendste an den jeweils begangenen Reisen ist, das bei allen, einem im Alltag begegnenden Situationen, die von unseren fünf Sinnen wahr genommen wurden, Assoziationen zu Kontinenten, Ländern, Menschen, Tieren, Pflanzen, kulinarischen Genüssen und nicht zuletzt, zu erlebten Ereignissen entstehen. Die gedanklichen Verknüpfungen funktionieren dann wie Links im Net, man klickt diese an und der spezielle Filmteil läuft automatisch vor seinen Augen ab! 

This is simply beautiful!

Dieses Glück, die Freude am Erlebten, dieses angenehme "Widerkäuen" mit einem oder mehreren Menschen in trauter Runde zu teilen, womöglich noch mit einer Diashow untermalt, ist die Krönung eines jeden Urlaubs in Nah oder Fern. Es animiert immerfort zu neuen Reisewünschen. Sind wir zufrieden und dankbar, dass wir diese Lebensart frönen können, wo wir doch allzu oft erlebt haben, dass sehr viele Menschen null Chance haben, uns nach zu eifern!

 

Endlich, man hat es geschafft, ist gelandet auf dem Zielairport, eingefahren im Bahnhof in der Nähe des Urlaubsortes oder hält vor der Unterkunft mit dem Reisebus, vergessen sind die mehr oder minder großen Reisestrapazen und man legt den Kippschalter Schnurstraks auf URLAUB!

Eine Schiffsreise habe ich bewusst in meinen Aufzählungen nicht erwähnt, der kritische Leser mag es mir bitte nachsehen, ich mag diese nur Reiseform nicht. Es sei denn, sie ist eine Etappe im Ensemble einer individuellen Reise.

Ob nun Fern- oder Nahreisen im Focus eines jeden Reislustigen stehen, jede hat ihren speziellen Reiz. Entfernt man sich aus seinen vier Wänden, seiner vertrauten Umgebung für eine gewisse Zeitspanne, dann sind schon in dieser Zeit der Vorfreude alle Sinne in Lauerstellung! Es ist die Erwartungshaltung des Erlebens, Entdeckens und Erkundens.

Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen.
Wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht. 
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

In diesem Sinne, der vom Fernweh geplagte

Andreas Büttig

 

PS.: Dies ist mein Beitrag zur BlogParade von Zypresse mit dem Thema "Mit allen Sinnen reisen"!

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Kommentare: 5
  • #1

    zypresse (Dienstag, 30 Juli 2013 14:08)

    Danke für Deinen Beitrag – in der Tat, ein ganz anderer Ansatz. Deine "sinnen"reiche Reise ist spannend und gut zu lesen, wie ich finde.

  • #2

    eos (Dienstag, 30 Juli 2013 16:02)

    Ja, eine schöne Anleitung seine Reise mit den eigenen Sinnen zu begleiten - und dabei schon einmal auf die Tücken und Gefahren hinzuweisen, die an jeder Straßenecke lauern! Hat Spaß germacht zu lesen.

  • #3

    Beate (Dienstag, 30 Juli 2013 18:14)

    Hallo Andreas,
    gut gemacht! Ich habe Deinen Beitrag mit meinem sechsten Sinn gelesen, das ist derjenige, welcher sich an allem Kreativen freut!
    Ich wünsche Dir, dass Du noch sehr oft etwas gegen Dein Fernweh unternehmen kannst, denn "Nur Reisen ist Leben …" ;-)))
    LG, Beate

  • #4

    Anneken (Donnerstag, 01 August 2013 08:38)

    ein sehr gute Blogbeitrag. Habe den mit alle Sinnen gelesen. Hat viel Spaß gemacht.
    LG Anneken

  • #5

    Tina (Montag, 26 August 2013 13:54)

    Hallo Andreas!!
    Du triffst ja so ins Schwarze mit fast allem, was du oben aufzählst!!
    Aber dass heute jeder bestens informiert ist, der auf Reise geht, stimmt leider nicht. Erst kürzlich klagte eine Reiseleiterin für Galapagos mir in einem Gespräch ihr Leid: die meisten Touris hätten null Ahnung, was sie auf der Insel eigentlich erwarten würde. Schnell bei lid l& co eine Billigreise durch Südamerika mit Zwischenstopp auf der Insel gebucht und keinerlei Vorstellung von Flora,Fauna,Lebensverhältnissen der Menschen. Und dann vor Ort nur jammern, weil alles so "primitiv" ist....ohne den gewohnten/erhofften Komfort...
    Man kann es sich lebhaft vorstellen ;.((
    Aber alle Blogteilnehmer bei ulli wissen naklar, wie man reist, sich vorbereitet und einstimmt auf das neue Land und seine Bewohner.
    Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen, vor allem auch der Rückblick auf den Beginn deiner Reiseerfahrungen.
    Gruß, Tina

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