Oberhessische Zeitung - Sehnsuchtsort am Rande der Sahara

24.07.2014

 Sehnsuchtsort am Rande der Sahara

 

Von Günther Krämer

AUSGEWANDERT Günther und Diana Schulz kehren nach fünf Jahren aus Marokko zurück / Führungen für Wissenschaftler

ALSFELD - Heute um 10.15 Uhr fungiert Günther Schulz als Stadtführer. Er wird eine Reisegruppe aus Fulda durch die historische Altstadt führen, über den Marktplatz, durch die engen Gassen. Er wird den Besuchern das Rathaus, Hochzeitshaus, Weinhaus und das Regionalmuseum zeigen. Es ist eine besondere Stadtführung – auch für Günther Schulz. Denn: Nach fünf Jahren ist er wieder zu Hause, wieder in Alsfeld.

Ihn und seine Frau Diana zog es raus aus Alsfeld. Die Sahara hatte nach einigen Expeditionen in Tunesien, Libyen, Algerien und Marokko nicht nur Eindrücke hinterlassen, sondern auch Spuren. Die Sehnsucht erwachte – immer wieder. Seine Vorstellung war es, Wissenschaftler aus der ganzen Welt in die Sahara zu führen, um ihnen die dortigen mehrere Tausend Jahre alten Gesteine zu zeigen. So, wie er sie selbst bei den zahlreichen Aufenthalten kennengelernt hatte.

Im April 2009 war es so weit. Günther und Diana Schulz machten sich mit ihrem Land Rover auf nach Marokko. 3000 Kilometer lagen vor ihnen und einem neuen Leben. Es war ein Aufbruch ins Ungewisse, obwohl sich Günther Schulz über ein Internet-Forum mit einer Marokko- und Sahara-Kennerin aus der Schweiz vorher mehrfach besprochen hatte. Für den Notfall allerdings war eine Meldung bei der deutschen Botschaft in Rabat hinterlegt.

Herausforderung

Es war eine Herausforderung, ohne zu wissen, was die Zukunft bringt. Die Fahrt ging über Frankreich, Spanien nach Marokko. In Gibraltar setzt man von Europa nach Afrika in die Millionen-Stadt Tanger über. An der Westküste von Marokko ging es über 700 Kilometer weiter zur Stadt Essaouira. In dem kleinen Dorf Ounara, etwa 1000 Einwohner, suchte sich das Ehepaar ein Haus, was sich als schwierig erwies. Zuerst mussten die Voraussetzungen für die Anmietung geregelt werden. Das dauerte. Während dieser Wochen war der Land Rover die Unterkunft. Als der Nachweis über ein Bankkonto erbracht war, stand der Anmietung nichts mehr im Weg: 150 Quadratmeter Wohnfläche, einem Grundstück mit über 2000 Quadratmeter mit einem 50 Kubikmeter großen Pool. Die zwei Straßenhunde Negra und Nejma wurden zu treuen Begleitern.

Derweil war das Erlangen einer Aufenthaltsgenehmigung eine Odyssee, schildert Schulz. Es dauerte fast zwölf Monate, bis die Genehmigung für drei Jahre vorlag. Zudem war die Sprache schwierig. Aber Günther und Diana Schulz hatten schnell begriffen: Einfach mitreden und erklären, dann versteht man sich.

Aber was war mit der Idee, Führungen durch die Sahara anzubieten, die beide nach Marokko führte? Die Sahara war noch 1200 Kilometer entfernt. Von der Realisierung keine Spur. Erst einmal einleben. Trotzdem: Die Planung der Wüsten-Expeditionen wurde vorangetrieben.

Für fast sechs Wochen machten sich beide – mit den Hunden – auf den Weg in die Sahara. Ziel waren es, die über 6000 bis 12000 Jahre alten Felsbilder zu finden. Es war eine Reise in eine andere Welt. Alleine in der Sahara, im Zelt, nur mit den Hunden, und immer in der Hoffnung, endlich die Felsbilder, die die Grundlage ihrer Zukunft sein sollten, zu finden. „Kaum zu glauben“, erzählt Günther Schulz, „wir haben etwa 4000 Gesteine entdeckt, auf denen Krokodile, Giraffen, Elefanten und vieles andere eingraviert war.“ Den Standort sichern, hieß es dann. Das ging nur mit einem GPS-System, das die Koordinaten aufzeichnet. Auch das Anzeigen der Felsbilder bei dem Felsbild-Kurator, der erst den Zugang zur Sahara möglich machte, war notwendig.

Nach der Rückkehr in das Wohnhaus begann die Auswertung und Vermarktung. Schulz nahm Kontakt zu deutschen wissenschaftlichen Instituten für Vor- und Frühgeschichte auf. Er bot Führungen zu den Gesteinen an. Die Resonanz war nicht gerade überwältigend. Aber immer hin: Einige Institute, darunter das aus Bad Hersfeld, machten von der Möglichkeit der Sahara-Führung Gebrauch. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter besuchten im Rahmen ihrer Exkursionen Familie Schulz in Essaouira und ließen sich die Felsbilder zeigen.

Stadtführer für Deutsche

Aber: Beide hatte sich mehr Interesse aus Deutschland versprochen. So fanden beide ein weiteres Tätigkeitsfeld. Sie wurden Stadtführer für deutsche Touristen und Reisegruppen in Essaouira, einer Stadt mit etwa 50 000 Einwohnern. Auf Dauer reichte dies auch nicht zum Leben. Günther und Diana Schulz begannen für deutsche Touristen die marokkanische Spezialität Tajine zu kochen und stellten geräucherten Schinken her. Über einen deutschsprachigen Marokkoführer wurden die Touristen auf Günther und Diana Schulz aufmerksam gemacht. Man hatte jetzt ein wirtschaftliches und auch soziales Standbein in Ounara gefunden.

Aber trotzdem: Ruhig war es in Ounara und Essaouira nie. Die Reformbewegung des arabischen Frühlings erreichte Marokko. Neuwahlen standen an. „Die Hoffnung auf mehr Demokratie war groß“, erinnert sich Günther Schulz. Die Neuwahlen brachten aber nicht mehr Demokratie. Die alten Machtstrukturen im Königreich erhielten wieder die Oberhand, schildert Schulz seine Eindrücke. „Das Leben wurde härter.“

Die äußeren Anzeichen dafür: Ausländer wurden belästigt, gemieden. Autos und Häuser wurden mit Steinen beworfen. „Das ist nicht mehr das Land, in dem wir weiter leben wollten“, stellten Günther und Diana Schulz fest. Bei einem Urlaubsaufenthalt 2013 in Alsfeld beschlossen sie, in ihre Heimatstadt zurückzukehren.

Die Heimkehr nach Deutschland wurde organisiert. Im Mai erfolgte die Rückkehr nach Alsfeld. Ein Großteil des Hausstandes ist noch in Marokko. „Wir wissen nicht, wann der marokkanische Spediteur in Alsfeld ankommt“, erklärt Günther Schulz. Bis auf Weiteres wohnen beide – mit ihren Hunden – auf dem Campingplatz in Heimertshausen. „Wir suchen bis Jahresende eine neue Bleibe in der Region um Alsfeld. Ein Haus auf einem Dorf, das wäre es“, sagt Diana Schulz.

 

Beide wollen sich wieder im Bereich Tourismus und Kultur, im Tourist Center Alsfeld und im Geschichts- und Museumsverein Kirtorf engagieren. Schulz möchte an Schulen experimentelle Archäologie anbieten, und zwar über die North Hessian Society of Prehistory and Archeology of the Medieval, Bad Hersfeld, Germany. Fragen zu Marokko und der experimentellen Archäologie unter Mail: schulz.hessen@gmail.com

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